Fu-logo-text-2x
Drucken

Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (B.A.)

Diese Seiten können nicht richtig dargestellt werden, da Sie Ihren Internet Explorer mit aktivierter Kompatibiltätsansicht verwenden. Wir empfehlen 'fu-berlin.de' aus der Liste der Websites mit aktivierter Kompatibilitätsansicht zu entfernen:

  1. Blenden Sie bitte in Ihrem Internet Explorer die Menüleiste ein, indem Sie entweder 'Alt' drücken oder in der Adressleiste mit der rechten Maustaste klicken und dann 'Menüleiste' auswählen.
  2. Klicken Sie auf 'Extras' und wählen das Menü 'Einstellungen der Kompatibilitätsansicht' aus.
  3. Wählen Sie unter 'Zur Kompatibilitätsansicht hinzugefügte Websites' 'fu-berlin.de' aus.
  4. Klicken Sie auf 'Entfernen'.

Paul Wolff, Doktorand an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule (FSGS)

Stellen Sie Ihren Beruf kurz vor: Wie sieht Ihr Berufsalltag aus (typische Tätigkeiten, Arbeitszeiten etc.)?

Ich promoviere an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule (FSGS) über „Schreibgemeinschaften auf digitalen Plattformen“. Gleichzeitig bin ich wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster „Temporal Communities: Doing Literature in a Global Perspective“. Das Curriculum der FSGS ist auf drei Jahre ausgelegt und sieht ein jährliches Kolloquium sowie insgesamt drei frei wählbare Seminare vor. Im Cluster nehme ich an Arbeitsgruppentreffen teil und profitiere von dem internationalen Forschungsnetzwerk. Für mein Unterprojekt über „Konzepte und Praktiken digitaler Autorschaft“ habe ich zudem Vorträge gehalten, Aufsätze publiziert sowie einige Workshops und Tagungen organisiert, aus denen auch zwei Sammelbände hervorgegangen sind, die ich (mit-)herausgegeben und lektoriert habe. In einem Semester konnte ich zudem erste Erfahrungen in der Lehre sammeln. Mittlerweile bin ich in der Schlussphase meiner Promotionszeit, in der ich mich fast ausschließlich auf das Verfassen meiner Dissertation fokussiere. Die Promotion hat mir aber schon von Beginn an viel Lese- und Schreibzeit geboten, die ich mir frei einteilen kann. Die doppelte institutionelle Anbindung empfinde ich als produktiv, da ich den wissenschaftlichen Austausch schätze. Eine völlig ‚freie‘ Promotion wäre mir wahrscheinlich zu einsam.

 

Warum haben Sie sich für dieses Studium der entschieden?

Es ist ein Klischee, aber wahr: Ich habe mich immer schon für Literatur begeistert und wollte am liebsten den Großteil meiner Zeit mit Lesen und Schreiben verbringen. An der AVL hat mich die Theorieaffinität und die Offenheit für Sprachen und Literaturen jenseits nationaler Grenzen und Philologien interessiert. Die Entscheidung für das Studium der AVL ist mir allerdings nicht leichtgefallen: Nach dem Abitur habe ich zunächst ein Mathematikstudium begonnen, weil mir das bessere Berufschancen zu versprechen schien. Nach einem frühen Studienabbruch habe ich mich dann – wie meine Eltern – auf eine Krankenpflegeausbildung beworben, die ich nach durchmischten Berufserfahrungen als Pflegehelfer in einem Krankenhaus und einem Altenheim wieder abgesagt habe. Eine Mitbewohnerin, die zu dieser Zeit am Peter Szondi-Institut studierte, hat mich dann in Seminarsitzungen mitgenommen. Die Themen, Texte und Diskussionen sowie die Atmosphäre am Institut haben mich so fasziniert, dass ich mich schließlich doch ‚getraut‘ habe, mich für AVL einzuschreiben.

 

Wann haben Sie sich für Ihren aktuellen Beruf entschieden und haben sich Ihre Erwartungen daran, ggf. aus Ihrer Zeit als Studierende erfüllt?

Dank einer Anstellung als studentischer Lehrstuhlmitarbeiter konnte ich schon im Bachelorstudium Einblicke in die Forschung gewinnen. Im Lauf des Masterstudiums habe ich dann entschieden, dass ich selbst promovieren möchte. Ich habe daraufhin erste Gespräche mit potenziellen Betreuer*innen gesucht und das Thema meiner Masterarbeit bereits mit einer größeren Arbeit im Hinterkopf konzipiert.

Erwartungen und Pläne, die ich u.a. im Promotionsexposee formuliert habe, wurden im Lauf der Promotion allerdings oft über den Haufen geworfen. Immerhin will man in der Dissertation etwas herausfinden, das man vorher nicht wusste. Diese Offenheit hat einige Krisen ausgelöst, in denen ich an meiner Arbeit gezweifelt habe. Sie hat aber auch unerwartet beglückende Momente und Erkenntnisse erzeugt. Die für eine Dissertation erforderliche Ausdauer habe ich als Student vielleicht etwas unterschätzt.

 

Was ist das Wichtigste, das Sie während des Studiums für Ihren aktuellen Beruf gelernt haben?

Essenziell ist die Beherrschung des literaturwissenschaftlichen ‚Handwerkszeugs‘. Dazu zählen Recherche, die Fähigkeit, Texte gründlich zu lesen und komplexe Sachverhalte in einer klaren Sprache und schlüssigen Argumentation darzustellen, eine saubere wissenschaftliche Arbeitsweise sowie theoretisches und sprachliches Grundwissen. Wichtig war auch die Übung öffentlichen Sprechens in Seminardiskussionen und Präsentationen, denn auf Konferenzen kommt es auch auf ein sicheres Auftreten an.

 

Welche Zusatzqualifikationen sollte man schon während des Studiums erwerben, die für Ihren jetzigen Beruf nützlich oder essentiell sind?

Neue Sprachen zu lernen und Sprachkenntnisse zu vertiefen ist immer sinnvoll. Darüber hinaus können die erforderlichen Zusatzqualifikationen je nach Promotionsthema stark variieren. Da ich mich in meiner Dissertation mit digitalen Medien beschäftige, haben sich z.B. grundlegende Programmierkenntnisse als hilfreich erwiesen. Kolleg*innen, die Interviews mit Autor*innen durchführen, haben wiederum von sozialwissenschaftlichen Fortbildungen profitiert; für andere war es wichtig, die Arbeit mit Archiven und historischen Dokumenten einzuüben.

 

Gibt es etwas im Studium, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich erinnere mich an viele anregende Seminare und Dozierende, und auch meine beiden Auslandssemester in Istanbul und Paris haben mich fachlich und persönlich nachhaltig geprägt. Die schönsten Erinnerungen verbinde ich aber mit Kommiliton*innen, die mich mit ihrer Begeisterung angesteckt haben, oftmals die kritischsten Leser*innen meiner Hausarbeiten waren und in einigen Fällen auch zu guten Freund*innen geworden sind. Dank dieser Kontakte habe ich auch außerhalb des Seminarraums viel gelernt: in privaten Lesekreisen, im Organisationsteam des Studierendenkongress für Komparatistik, in der Fachschaftsinitiative, für die ich mich hochschulpolitisch engagiert habe, …

 

Welchen Rat würden Sie Studienanfänger*innen geben, die später ebenfalls Ihren Beruf ausüben möchten?

Studienanfänger*innen würde ich raten, das Studium zu genießen, neugierig zu sein und möglichst viele Eindrücke, Erfahrungen und Wissen aufzunehmen. Es ist prinzipiell sinnvoll, eigenen Interessen nachzugehen. Schwerpunkte bilden sich im Lauf des Studiums dann automatisch heraus, aber eine gewisse Offenheit sollte man sich immer bewahren, denn in der Promotion beschäftigt man sich dann über mindestens drei Jahre überwiegend mit einem Thema. Für dieses Thema sollte man dementsprechend wirklich brennen. Es kann zwar hilfreich sein, Konjunkturen und Trends der Forschung zu verfolgen, diese sollten bei der Themenwahl aber nicht im Zentrum stehen.

Ich würde eine Promotion zudem nicht mit einer Karriere in der Wissenschaft gleichsetzen, auch wenn der Unibetrieb das manchmal implizit nahelegt. Wissenschaft ist ein prekärer Beruf, der meist mit befristeten Anstellungen, häufigen Wohnortswechseln oder langen Pendelstrecken sowie unsicheren Zukunftsaussichten einhergeht. Deshalb scheint es mir sinnvoller, die Promotion als eine Phase zu begreifen, die unterschiedliche berufliche Möglichkeiten eröffnet.