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B.A. Niederländische Philologie

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Henning Radke, DAAD-Lektor, Duitsland Instituut Amsterdam

Stellen Sie Ihren Beruf kurz vor. Wie sieht Ihr Berufsalltag aus (typische Tätigkeiten, Arbeitszeiten etc.)?

Ich arbeite als DAAD-Lektor am Duitsland Instituut Amsterdam und an der Universiteit van Amsterdam. Die Abkürzung DAAD steht für Deutscher Akademischer Austauschdienst – eine Organisation, die internationalen Austausch stimuliert. Das tut sie, indem sie z.B. Stipendien an ausländische Studenten und Dozenten vergibt, die eine Zeit lang in Deutschland studieren oder arbeiten möchten. Umgekehrt können sich auch deutsche Studenten und Dozenten um ein DAAD-Stipendium für einen Aufenthalt im Ausland bewerben. Mich hat der DAAD in die Niederlande geschickt.

An der Universiteit van Amsterdam bin ich in die Lehre der Deutschabteilung eingebunden. Ich gebe zwei Arten von Seminaren: Die erste Art sind Spracherwerbskurse. Kurse also, in denen ich mit niederländischen Studierenden an ihren Kenntnissen der deutschen Sprache arbeite. Inhaltlich habe ich viel Freiraum: So lade ich z.B. Gastsprecher ein, die auf Deutsch etwas über ihren Beruf erzählen. Die Studenten schreiben daraufhin Essays, die ich dann korrigiere und mit ihnen bespreche. So wenden sie ihr Deutsch an und lernen gleichzeitig verschiedene Berufsfelder kennen. Ich arbeite aber auch mit unterschiedlichen Lehrbüchern, stelle selbst Texte zusammen, gebe Schreibaufträge oder lasse die Studenten Präsentationen vorbereiten. Meine Aufgabe ist es, sie zu begleiten und ihnen Feedback zu geben. Neuerdings biete ich auch Sprachkurse für internationale Studenten an, die dann z.B. aus Schweden, Südafrika oder den USA kommen und in Amsterdam Deutsch lernen.

Die zweite Art von Seminaren beschäftigt sich mit dem Thema Sprachwissenschaft. Genauer gesagt: mit der Soziolinguistik. In diesem Themenfeld werden Fragen beantwortet wie: Welche Funktion hat Sprache in der Gesellschaft? Welche Einstellungen haben Menschen gegenüber Dialekten? Wie verändert sich Sprache? Warum werden bestimmt Ausdrücke als „besser“ und andere als „schlechter“ angesehen? Auch hier habe ich viel eigenen Spielraum. So habe ich einen Kurs zum Thema Sprachinseln entworfen. In diesem Kurs steht die deutschen Sprache in Rumänien, den USA, Namibia, Brasilien und Papua-Neuguinea im Mittelpunkt. Oftmals entscheide ich mich für eine vergleichende Perspektive, z.B. welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten haben die dortigen Sprachen wie z.B. Niederländisch/Afrikaans mit der deutschen Sprache?

Meine Lektorentätigkeit an der Universiteit van Amsterdam übe ich ca. 2,5 Tage in der Woche aus. In den anderen 2,5 Tagen arbeite ich für den Deutschland-Desk am Duitsland Instituut Amsterdam. Dort informiere ich über Studienmöglichkeiten in Deutschland, besuche Messen, und organisiere Workshops zum Thema Deutschland als Studienland. Zudem kommen niederländische Studenten zu mir, die sich für deutsche DAAD-Stipendien interessieren. Diese Arbeit mache ich zusammen mit einem Team, während ich die Arbeit an der Universität eher selbstständig ausfülle, wobei ich meine Kollegen natürlich jederzeit um Rat fragen kann.

Warum haben Sie sich seinerzeit für ein Studium der Niederländischen Philologie entschieden?

Der Grund für die Wahl war mein Interesse an der Sprache. Ich wollte Niederländisch erlernen und wissen, warum diese Sprache meiner Muttersprache so ähnelt. Wo, wenn nicht im Rahmen des Bachelorstudiums Niederländische Philologie, sollte ich Antworten auf diese Fragen finden? Das Studienangebot, eine Mischung aus Literatur- und Sprachwissenschaft, klang spannend. So kam es, dass ich nach Berlin zog, um Niederländisch zu studieren.

Wann haben Sie sich für Ihren aktuellen Beruf entschieden und haben sich Ihre Erwartungen daran erfüllt?

 Mein jetziger Beruf ist rückblickend das Ergebnis eines Prozesses, der schon früh während meines Studiums eingesetzt hat: Mit meinen wachsenden Fremdsprachkenntnissen wollte ich Arbeits- und Studienerfahrungen im niederländischen Sprachraum erwerben: So absolvierte ich z.B. ein Praktikum am Goethe-Institut Amsterdam, dem weltweiten Institut für deutsche Sprache und Kultur im Ausland. Danach zog es mich nach Südafrika, wo u.a. Afrikaans gesprochen wird. Diese Sprache ähnelt dem Niederländischen sehr. In Südafrika absolvierte ich ein Praktikum bei der Deutschabteilung der Universiteit Stellenbosch. Der Umgang mit der deutschen Sprache im niederländisch-afrikaansen Sprachraum gefiel mir sehr und so arbeitete ich als nächstes für Het Nederlands Lyceum Paramaribo. Diese Schule befindet sich in Suriname, einem niederländischsprachigen Land in Südamerika. Zum Ende meines Masterstudiums hatte ich also ein Profil aufgebaut: Deutsch als Fremdsprache in niederländisch-afrikaansen Ländern. Nach dem Studium bekam ich die Möglichkeit, erneut nach Südafrika zu gehen und als DAAD-Sprachassistent an der Universiteit van Kaapstad ein Jahr lang Deutsch zu unterrichten. Dieses Erlebnis hat mich in meiner Wahl bestärkt und so entschied ich mich danach für ein DAAD-Lektorat in Amsterdam.

Rückblickend habe ich mich für meinen aktuellen Beruf an dem Tage entschieden, an dem ich die Stellenausschreibung dafür sah. Das war während meiner Zeit als Sprachassistent in Südafrika, ein halbes Jahr nach dem Abschluss meines Studiums. Sechs Monate später begann ich in Amsterdam. Entscheidend war jedoch der beschriebene Erfahrungsprozess während meines Studiums, der dazu führte, dass ich mich letztendlich in der Stellenausschreibung wiederfand.  

Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, das Sie während des Studiums für Ihren aktuellen Beruf gelernt haben?

Sprache

  • der Erwerb der niederländischen Sprache auf akademischem Niveau
  • fundierte Kenntnisse zum Thema niederländische Sprachwissenschaft
  • gründliche Kenntnisse zum Thema Landeskunde der niederländischsprachigen Länder

Management

  • Selbstständiges und lösungsorientiertes Handeln: Wie löse ich eigenständig ein Problem ohne große Umwege?
  • Zeitmanagement: Wie setze ich mir Ziele und wie setze ich sie um?
  • Praxiserfahrung: Wie helfen mir Praktika bei der Berufsorientierung?

Und ganz wichtig

Gute Kommunikation mit den Dozenten: Läuft etwas mal nicht nach Plan, sollte man den Dozenten rechtzeitig darüber informieren und zusammen nach Lösungen suchen. Ich habe die Erfahrung gemacht: Meistens gibt es eine Lösung. 

Welche Zusatzqualifikationen sollte man schon während des Studiums erwerben, die für Ihren jetzigen Beruf nützlich oder essentiell sind?

Ich denke, dass es sehr wichtig ist, Praxiserfahrung zu sammeln. Man hat in der vorlesungsfreien Zeit genug Gelegenheiten, Praktika zu absolvieren oder sich für einen Sommerkurs oder Sprachpraxiskurs im Ausland zu entscheiden. So lernt man, das Gelernte anzuwenden.

Zudem sollte man seine niederländischen Sprachkenntnisse in de praktijk anwenden, indem man sich z.B. für kürzere oder längere Zeit in einem niederländischsprachigen Land aufhält.

Gibt es etwas im Studium, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Im Allgemeinen:

Der freundliche Umgang unter Studenten und Dozenten. Da der Studiengang überschaubar ist, kennt jeder Dozent die Studenten mit Namen und ist für sie gut erreichbar. Das sorgt für eine gute Atmosphäre und hilft bei praktischen Fragen.

Im Speziellen:

Während meiner Studienzeit gab es die Möglichkeit, im Rahmen einer Studienreise zwei Wochen nach Südafrika zu reisen und Einblicke in die niederländische Kolonialgeschichte zu bekommen. Dieser Themenkomplex hat mich sehr fasziniert und ich bin sehr dankbar dafür: Diese Studienreise war letztendlich der Anlass für ein Praktikum und später für eine DAAD-Sprachassistenz, für die ich zwei Mal nach Südafrika zurückging.

Welchen Rat würden Sie Studienanfänger/innen geben, die später ebenfalls Ihren Beruf ausüben möchten?

Ich würde raten, gut an ihren niederländischen Sprachkenntnissen zu arbeiten. Ich glaube, dass es ein Plus ist, diese Sprache auf einem hohen Niveau zu sprechen. Zudem sollte man während des Studiums viel Praxiserfahrung im (niederländischsprachigen) Ausland und im Inland sammeln.