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Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (B.A.)

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Kommunikationsinstrumente

Diese Aufgabe stammt aus dem Studienmodul "Geschichte und Strukturen des Mediensystems".

"Kommunikationsgeschichte zu betreiben, ist immer Erinnerungsarbeit: Erinnerung an vergangene, teils vergessene, teils verdrängte, teils bewußt, teils unbewußt noch nachwirkende Kommunikations-Geschichten."

(Peter Malina, Wie historisch ist die historische Kommunikationsforschung? In: Medien & Zeit, 7. Jg., 3/1992, S. 13).

Dieses Zitat illustriert die Vielfalt möglicher Themenschwerpunkte in der Kommunikationsgeschichte / -forschung: Es geht um unterschiedlich überlieferte Formen gesellschaftlicher Kommunikation, die zu untersuchen sich auch im Hinblick auf gegenwärtigen Formate lohnt. Ohne das Wissen um die überlieferten Formen öffentlicher Kommunikation ist die Einschätzung neuester Entwicklungen der Online-Kommunikation (z.B. Skype oder soziale Netzwerke wie Facebook) kaum zu leisten.

Im Jahr 1970 veröffentlichte Hans Magnus Enzensberger im Kursbuch 20 seine inzwischen zum Kanon der Medientheorie gehörenden Überlegungen Baukasten zu einer Theorie der Medien. Der Text trägt deutliche Spuren seiner Entstehungszeit: Mit dem Begriff der „Bewußtseins-Industrie“ schreibt Enzensberger den von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno geprägten Begriff der Kulturindustrie (aus der Dialektik der Aufklärung, 1947) fort. Den Anteil der Medien an der Herstellung und Verfestigung der Bewusstseins-Industrie beschreibt Enzensberger kritisch und unter Zuhilfenahme marxistischer Kategorien. Darüber hinaus knüpft Enzensberger unmittelbar an Bertolt Brechts Vorschlag zur Umfunktionierung des Rundfunks (1932) an.

Lesen Sie zunächst den Textausschnitt von Hans Magnus Enzensberger und beantworten Sie dann die folgenden Fragen.

„Zum ersten Mal in der Geschichte machen die Medien die massenhafte Teilnahme an einem gesellschaftlichen und vergesellschafteten produktiven Prozeß möglich, dessen praktische Mittel sich in der Hand der Massen selbst befinden. Ein solcher Gebrauch brächte die Kommunikationsmedien, die diesen Namen bisher zu Unrecht tragen, zu sich selbst. In ihrer heutigen Gestalt dienen Apparate wie das Fernsehen oder der Film nämlich nicht der Kommunikation sondern ihrer Verhinderung. Sie lassen keine Wechselwirkung zwischen Sender und Empfänger zu: technisch gesprochen, reduzieren sie den feedback auf das systemtheoretisch mögliche Minimum.

Dieser Sachverhalt läßt sich aber nicht technisch begründen. Im Gegenteil: die elektronische Technik kennt keinen prinzipiellen Gegensatz von Sender und Empfänger. Jedes Transistorradio ist, von seinem Bauprinzip her, zugleich auch ein potentieller Sender; es kann durch Rückkopplung auf andere Empfänger einwirken. Die Entwicklung vom bloßen Distributions- zum Kommunikationsmedium ist kein technisches Problem. Sie wird bewußt verhindert, aus guten, schlechten politischen Gründen. Die technische Differenzierung von Sender und Empfänger spiegelt die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen Produzenten und Konsumenten wider, die in der Bewußtseins-Industrie eine besondere politische Zuspitzung erfährt. Sie beruht letzten Endes auf dem Grundwiderspruch zwischen herrschenden und beherrschten Klassen (das heißt, zwischen Monopolkapital oder Monopolbürokratie auf der einen und abhängigen Massen auf der anderen Seite).

Die strukturelle Analogie läßt sich bis ins Detail verfolgen. Dem Programmangebot des Senderkartells entspricht das politische Angebot eines Machtkartells von autoritär verfaßten Parteien. Marginale Differenzen der Plattform spiegeln in beiden Fällen ein Konkurrenzverhältnis vor, das in den entscheidenden Fragen nicht existiert. Minimale Selbsttätigkeit der Wähler / Zuschauer: wie bei Parlamentswahlen im Zweiparteiensystem wird der feedback auf Indexziffern reduziert. Die ‚Willensbildung’ läuft auf die Rückmeldung eines einzigen, dreiwertigen Schaltvorganges hinaus: 1. Programm, 2. Programm, Ausschalten des Geräts (Stimmenthaltung).“

(Hans Magnus Enzensberger, Palaver. Politische Überlegungen (1967 – 1973), Frankfurt/Main: Suhrkamp 1974, S. 91-128 hier S. 93f.)
Ja
Nein
Könnte man Social Media (z. B. YouTube, Blogs und Facebook) als Weiterentwicklung vom bloßen Distributions- zum Kommunikationsmedium beschreiben mit dem Ziel, eine direkte „Wechselwirkung zwischen Sender und Empfänger“ (Enzensberger) zu erreichen?
Mit Hilfe von Social Media kann das Publikum über eine passive Rezeption hinaus zu einer aktiven Produktion von Medieninhalten motiviert werden. So können diese Inhalte auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Ist der heute Rundfunk (Radio, Fernsehen) inzwischen ein Kommunikationsmedium?
Der Rundfunk könnte nur unter der Voraussetzung als Kommunikationsmedium bezeichnet werden, dass dort tatsächlich eine direkte Interaktion zwischen den MediennutzerInnen stattfindet. Erst mit dem wechselseitigen Senden und Empfangen von Informationen würde die klassische Trennung zwischen der Ebene der Medienproduktion und der Ebene der Mediennutzung aufgehoben. Eingeschränkt trifft dies beispielsweise auf Formate im Online-Rundfunk-Bereich zu, in denen die NutzerInnen wenigstens ansatzweise in den Produktionsprozess miteinbezogen werden (z.B. in User-Blogs).
Kann der Rundfunk einen Beitrag dazu leisten, den politischen Prozess transparenter zu machen?
Der Rundfunk kann die Transparenz politischer Entscheidungsprozesse durchaus fördern, man denke z.B. an die Sitzungen der Ethik-Kommission "Sichere Energieversorgung" oder die Schlichtungsgespräche zu "Stuttgart 21", die live im Fernsehen übertragen wurden. Auf diesem Weg kann die Öffentlichkeit direkt über gesellschaftlich kontroverse Debatten informiert werden. Allerdings wird in den genannten Beispielen der Rundfunk noch nicht als "Kommunikationsmedium" im Sinne Enzensbergers eingesetzt, da das Publikum dort nicht unmittelbar an der Produktion der Sendungen beteiligt ist.

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