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Islamwissenschaft (M.A.)

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Ein Beispiel aus der Forschung im Bereich Geschichtswissenschaft

Archiv- und Bibliothekskulturen

In nahöstlichen Gesellschaften spielte Schriftlichkeit spätestens ab der „Papierrevolution“ des 9. Jahrhunderts eine zentrale Rolle. Die historisch ausgerichtete Islamwissenschaft hat sich in der Forschung traditionell primär auf narrative Texte (z.B. Chroniken) und normative Texte (z.B. Rechtsabhandlungen) gestützt. Durch den „documentary turn“ der letzten zwei Jahrzehnte sind aber zunehmend Dokumente (zum Beispiel Verträge, Steuerquittungen, Nachlassregister) in den Fokus der nahöstlichen Geschichtswissenschaft gerückt. Mein Interesse an diesen Dokumenten geht über den Text hinaus und ich basiere meine Forschung zu ihnen auf Ansätzen der historischen Anthropologie und des „material turns“. Die zentrale Frage ist dabei, welche sozialen Funktionen und kulturellen Bedeutungen gesellschaftliche Akteure solchen Dokumenten zuschrieben.

Derzeitig arbeite ich an Dokumenten aus der Mamlukenzeit, die im Jerusalemer Haram al-sharif aufbewahrt werden. Diese Sammlung setzt sich aus mehreren Untergruppen zusammen, in denen die Dokumente jeweils einen engen inhaltlichen Bezug aufweisen. Eine dieser Untergruppen betrifft einen „Teilzeit“-Gelehrten namens Burhan al-Din, der uns aus anderen Quellen nicht bekannt ist. Das Projekt zu dieser Gruppe von etwa 50 Dokumenten (Petitionen, Ernennungen, Immobilienkauf, Nachlassregelung u.a.) verfolgt zwei Hauptziele: Erstens soll anhand der sozialen Gebrauchskontexte der Dokumente und ihrer Materialität (Format, Löcher für archivalische Schnürung, Gebrauchsspuren u.a.) rekonstruiert werden, welche sozialen Akteure diese Dokumente für welche Zwecke und in welcher Form aufbewahrt haben. Wer waren also die archivalischen Akteure jenseits der politischen und sozialen Elite? Zweitens listet eines der Dokumente Gegenstände, die Burhan al-Din bei seinem Tode hinterlassen hat. Hierunter findet sich eine umfangreiche Buchsammlung, die das Projekt „rekonstruiert“, wie ich es schon in vorherigen Projekten zu Damaszener Buchsammlungen gemacht habe (siehe hier bzw. hier). Diese Rekonstruktion umfasst auch Provenienzforschung, da versucht wird, die tatsächlichen Objekte (Bücher), die einst im Hause Burhan al-Dins standen in modernen Bibliotheken zu identifizieren.

Im Rahmen von MA-Kursen arbeite ich mit den Teilnehmenden forschungsorientiert an diesen Fragen. Studierende haben somit die Möglichkeit, exemplarisch Einblick in laufende Forschungsprojekte zu bekommen.

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Prof. Konrad Hirschler