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Isabel Küppers, Politikberaterin und Trainerin im internationalen Kontext
Stellen Sie Ihren Beruf kurz vor: Wie sieht Ihr Berufsalltag aus (typische Tätigkeiten, Arbeitszeiten etc.)?
Seit etwa zwölf Jahren arbeite ich als Politikberaterin und Trainerin im internationalen Kontext. Meine berufliche Laufbahn begann bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), für die ich etwa sechs Jahre tätig war. Seit 2018 arbeite ich als freiberufliche Beraterin. In meinen Projekten beschäftige ich mich meist mit den Themen Migration, Integration sowie Gleichstellung. Typische Aufgaben sind die Recherche und Analyse von Fachinformationen, die Durchführung leitfadengestützter Interviews sowie die Planung und Moderation von Workshops, Schulungen und Konferenzen. Zu meinen Auftraggebern zählen öffentliche Institutionen, zivilgesellschaftliche Organisationen und private Beratungsunternehmen. Die Projekte unterscheiden sich stark in Umfang und Dauer: Einige dauern nur wenige Tage und bestehen aus klar abgegrenzten Aufgaben wie redaktionellen Tätigkeiten, andere sind komplexer und erstrecken sich über mehrere Monate bis zu einem Jahr. Einen festen Berufsalltag gibt es für mich nicht. Ich kann meine Arbeitszeiten weitgehend flexibel gestalten – ein Vorteil, den ich besonders als getrennt erziehende Mutter zu schätzen weiß.
Warum haben Sie sich seinerzeit für das Studium der Frankreichstudien entschieden?
Nach dem Abitur zog es mich nach Frankreich, wo ich am Centre Français Langue Étrangère der Université de Poitiers zwei Semester französische Sprach- und Kulturwissenschaften studierte. Mit dem Diplôme Supérieur d’Études Françaises kehrte ich nach Deutschland zurück. Zwar wollte ich mein Sprachstudium fortsetzen, jedoch kam ein rein sprach- oder literaturwissenschaftliches Studium für mich nicht in Frage. Ich suchte eine Verbindung von Sprache, Politik und Gesellschaft. Diese fand ich im Studiengang Frankreichstudien, der damals als neunsemestriger Diplomstudiengang angeboten wurde. Neben französischer Philologie wählte ich die Ergänzungsbereiche Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Studienaufenthalte und ein Pflichtpraktikum im französischsprachigen Ausland gehörten ebenfalls zum Programm. Mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) konnte ich zwei Semester an der Université de Montréal studieren. Dort absolvierte ich auch mein Pflichtpraktikum beim Migrationsministerium der Provinz Québec. Die intensive Auseinandersetzung mit Fragen von Migration und Integration hat mich nachhaltig geprägt und bildete später den Schwerpunkt meiner Diplomarbeit im Fachbereich Politikwissenschaft.
Wann haben Sie sich für Ihren aktuellen Beruf entschieden und haben sich Ihre Erwartungen daran erfüllt?
Während meines Studiums hatte ich noch kein klares Bild von meinem späteren Beruf. Wichtig war mir vor allem, gesellschaftlich relevante Themen mitzugestalten und in einem internationalen Umfeld zu arbeiten. Mein Berufseinstieg erfolgte über ein Traineeprogramm bei der GIZ. Ein Jahr lang war ich in Burkina Faso in einem Projekt zur Förderung lokaler Medien tätig und wurde dabei von einer Mentorin begleitet. Danach entwickelte sich meine berufliche Laufbahn weiter: Zunächst arbeitete ich als Juniorberaterin in Benin in einem Projekt zu Bürgerbeteiligung und Anti-Korruption, später übernahm ich eine Stelle als Beraterin in einem Projekt zur Förderung der sozio-ökonomischen Integration von Geflüchteten und Migrant*innen in Marokko. Mit jeder Station wuchsen meine fachlichen Aufgaben und meine Verantwortung. Die Kombination aus politischer Analyse und konkreter Projektarbeit im internationalen Kontext entsprach meinen Vorstellungen. Dennoch entschied ich mich nach über sechs Jahren im Ausland, nach Berlin zurückzukehren, um von dort aus freiberuflich zu arbeiten. An dieser Tätigkeit schätze ich vor allem die Vielfalt der Projekte und die Möglichkeit, sie aus einer externen, unabhängigen Perspektive zu begleiten.
Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, das Sie während des Studiums für Ihren aktuellen Beruf gelernt haben?
Mein Studium hat mir eine solide Grundlage für meine heutige berufliche Praxis vermittelt. Besonders wertvoll war für mich der interdisziplinäre Ansatz: Er hat meinen Blick dafür geschärft, komplexe Fragestellungen nicht eindimensional, sondern aus verschiedenen Fachperspektiven zu betrachten. Gleichzeitig hat der intensive Umgang mit empirischen Daten sowie wissenschaftlichen Methoden mein methodisches Handwerkszeug nachhaltig geprägt. Die Recherche und Auswertung von Fachliteratur sowie die eigene Erhebung quantitativer und qualitativer Daten, beispielsweise durch leitfadengestützte Interviews, gehören heute zu meinem beruflichen Alltag. Nicht zuletzt hat das Studium meine Präsentations- und Kommunikationsfähigkeit gestärkt. Regelmäßige Referate und Vorträge vor größeren Gruppen haben mir Sicherheit im Auftreten gegeben - Fähigkeiten, die in Workshops, Trainings und bei der Moderation von Veranstaltungen unverzichtbar sind.
Welche Zusatzqualifikationen sollte man schon während des Studiums erwerben, die für Ihren jetzigen Beruf nützlich oder essentiell sind?
Während meines Studiums habe ich keine formalen Zusatzqualifikationen erworben. Stattdessen habe ich viel praktische Erfahrung durch Praktika und ehrenamtliches Engagement gesammelt. Parallel zum Studium arbeitete ich rund zwei Jahre ehrenamtlich für den Flüchtlingsrat Berlin sowie für dessen Vertretung in der Berliner Härtefallkommission. Dort erhielt ich tiefe Einblicke in aufenthaltsrechtliche und integrationspolitische Fragestellungen. Neben dem Praktikum beim Migrationsministerium von Quebec absolvierte ich eine Hospitation beim Auswärtigen Amt in Berlin. Diese Erfahrungen halfen mir, theoretisches Wissen mit praktischer Arbeit zu verbinden und meine beruflichen Interessen zu schärfen. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass Lernen nicht mit dem Studienabschluss endet. Auch im Berufsleben ist Weiterbildung wichtig. Erst kürzlich habe ich beispielsweise eine Train-the-Trainer-Weiterbildung am Weiterbildungszentrum der Freien Universität Berlin abgeschlossen.
Gibt es etwas im Studium, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Mir ist vor allem die lebendige Atmosphäre des Studiengangs in Erinnerung geblieben. Durch die überschaubare Größe entstand schnell ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Ich erinnere mich gern an die Zeit mit meinen Kommiliton*innen – an morgendliche Fahrrad-Fahrgemeinschaften zum Campus der FU, Kaffee und Müsli im Sportlercafé oder an das gemeinsame Durcharbeiten von Seminartexten auf einer der Wiesen rund um den Campus bei schönem Wetter. Auch die Sprachpraxis-Seminare mit den muttersprachlichen Dozentinnen haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dort entwickelten sich oft lebhafte, engagierte Diskussionen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Eine kleine Herausforderung war der enge Zeitplan: Mit den vielen Fächern mussten wir uns oft beeilen, um rechtzeitig zu den Seminaren zu kommen. Umso schöner war es, wenn sich Überschneidungen mit anderen Kommiliton*innen der Frankreichstudien ergaben und man gemeinsam den richtigen Raum suchen konnte.
Welchen Rat würden Sie Studienanfänger*innen geben, die später ebenfalls Ihren Beruf ausüben möchten?
Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Für viele – so auch für mich – ergibt sich das berufliche Ziel erst Schritt für Schritt. Wichtig ist, Erfahrungen zu sammeln und den eigenen Interessen zu folgen. Konkret empfehle ich, schon während des Studiums möglichst viel praktische Erfahrung zu sammeln. Hospitationen und Praktika geben Einblicke in den Berufsalltag und helfen, die eigenen Stärken zu entdecken. Ebenso sinnvoll ist der Besuch von Fachveranstaltungen außerhalb der Universität und der Aufbau von Netzwerken. Wer international arbeiten möchte, sollte natürlich frühzeitig in Sprachkenntnisse investieren. Für den Einstieg in die Selbständigkeit rate ich zu einem schrittweisen Vorgehen: Für mich war es sehr hilfreich, zunächst angestellt zu arbeiten und erst später den Schritt in die Freiberuflichkeit zu gehen bzw. beides zu kombinieren. Der Austausch mit anderen Freiberufler*innen war dabei besonders wertvoll. Auch Unterstützung der Arbeitsagentur, etwa in Form von Coaching oder Gründungszuschuss, kann hilfreich sein.