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Französische Philologie (B.A.)

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Bedeutungswandel (Sprachwissenschaft)

Sprache ist kein starres Gebilde, sondern wandelt sich stetig. Besonders gut lässt sich das im Bereich des Wortschatzes beobachten. Kennen Sie z.B. das deutsche Wort Oheim? Dieser Begriff gilt mittlerweile als veraltet und wird heute in der Regel durch das Wort Onkel ersetzt. Sprachwandel kann sich also dadurch äußern, dass Wörter aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Andere kommen hinzu, z.B. das aus dem Englischen entlehnte Wort Computer. Wieder andere Wörter verschwinden nicht aus dem Wortschatz, aber ändern ihre Bedeutung (und oft auch ihre Form). Beispielsweise war das mittelhochdeutsche Wort hôchgezîte ein Oberbegriff für Feste im Allgemeinen, im Neuhochdeutschen wird Hochzeit  nur noch für ein bestimmtes Fest – nämlich die Eheschließung – verwendet. Der Bedeutungswandel von Wörtern folgt dabei häufig bestimmten Prinzipien.

  1. Wenn ein Wort Bedeutungsbestandteile verliert, wird sein Anwendungsbereich größer. Ein Beispiel ist das englische Wort dog. Im Altenglischen war dog eine Bezeichnung für bestimmte Arten von Hunden, nämlich große und starke Hunde (vgl. Dogge im Deutschen). Im heutigen Englisch ist das Wort dog der allgemeine Oberbegriff, unter den alle Arten von Hunden fallen. Der Bedeutungskomponente groß oder stark ist also weggefallen, wodurch der Anwendungsbereich des Wortes größer geworden ist. Diese Art von Bedeutungswandel bezeichnet man als Bedeutungserweiterung oder Generalisierung.
  2. Das Gegenteil zu Generalisierung ist die Bedeutungsverengung oder Spezialisierung. Damit ist gemeint, dass neue Bestandteile zu der Bedeutung eines Wortes hinzukommen und sein Anwendungsbereich damit kleiner, also spezieller wird. Ein Beispiel ist der oben erwähnte Wandel von hôchgezîte zu Hochzeit. Die Bedeutungskomponente Eheschließung ist dazu gekommen, so dass nur noch bestimmte Feiern mit dem Begriff bezeichnet werden können.

1. Aufgabe

Kreuzen Sie nach dem Lesen der Hintergrundinformation an, nach welchem Prinzip sich die Bedeutung des jeweiligen lateinischen Ursprungswortes zum Französischen hin gewandelt hat.

Die sich schließende spitze Klammer > steht übrigens für 'hat sich entwickelt zu', vgl. hôchgezîte > Hochzeit.

Generalisierung

Spezialisierung

lat. AUCA 'Vogel' > frz. oie 'Gans'

Hier liegt ein Fall von Spezialisierung (Bedeutungsverengung) vor, da das französische oie nur noch einen bestimmten Typ von Vogel bezeichnet.

lat. AD-RIPARE 'ans Ufer kommen' > frz. arriver 'ankommen'

Hier liegt ein Fall von Generalisierung vor. Im Vergleich zum lateinischen Ursprungswort verliert das französische arriver die Bedeutungskomponente 'Ufer', es bezeichnet also nicht mehr nur das Ankommen an einem bestimmten Ort, sondern alle Arten von Ankommen und vergrößert damit seinen Anwendungsbereich.

lat. PONERE 'setzen, stellen, legen' > frz. pondre '(Eier) legen'

Hier liegt ein Fall von Spezialisierung (Bedeutungsverengung) vor: Zur Bedeutung des lateinischen Ursprungswortes kommen im Französischen Komponenten hinzu, die sowohl denjenigen präzisieren, der etwas 'legt', als auch dasjenige, das gelegt wird, also etwa 'durch Hühner' und 'Eier'.

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2. Aufgabe

Neben den eben kennengelernten Arten von Bedeutungswandel gibt es weitere Prinzipien, die bei der Bedeutungsänderung von Wörtern häufig eine Rolle spielen, nämlich Metapher und Metonymie.

Die Metapher ist wahrscheinlich v.a. aus der Rhetorik oder der Gedichtanalyse bekannt, spielt aber in unserer Sprache und Wahrnehmung allgemein eine wichtige Rolle. Ein Ausdruck wird metaphorisch verwendet, wenn damit etwas bezeichnet wird, das ursprünglich etwas ganz anderes meint. Zwischen dem ursprünglichen und dem neuen Anwendungsbereich des Worts besteht dabei immer irgendeine Art von Ähnlichkeit. Beispielweise bezeichnete das Wort Maus ursprünglich nur das Nagetier. Inzwischen wird der Begriff auch verwendet, um das Gerät zu benennen, mit dem man Eingaben am Computer macht. Die ovale Form des Geräts erinnert an den Körper einer Maus und das Kabel an ihren Schwanz. Zwischen dem 'kleinen Nagetier' und dem ‘Eingabegerät für Computer' besteht also eine gewisse Ähnlichkeit.

Bei der Metonymie geht es nicht um Ähnlichkeit, sondern um irgendeine Art von tatsächlichem Sachzusammenhang zwischen der ursprünglichen Bedeutung eines Begriffs und einer neueren Bedeutung bzw. einem neueren Anwendungsbereich. Spricht man z.B. davon, einen Bordeaux getrunken zu haben, wird der Name eines Gebiets verwendet, um den Wein zu bezeichnen, der in diesem Gebiet angebaut wird. Zwischen dem Gebiet und dem Wein besteht also ein tatsächlicher Zusammenhang.

Kreuzen Sie an, nach welchem Prinzip sich die Bedeutung des lateinischen Ursprungswortes zum Französischen gewandelt hat.

Metapher
(Ähnlichkeit)

Metonymie
(Sachzusammenhang)

lat. TESTIMONIUM 'Zeugnis' > frz. témoin 'Zeuge'

Mit dem lateinischen Ursprungswort wurde zunächst eine Handlung bezeichnet. Mit Zeugnis ist hier die Handlung Zeugnis ablegen 'eine Aussage (vor Gericht) machen' gemeint. Das französische Wort, das sich aus testimonium entwickelt hat, bezeichnet nicht mehr die Handlung, sondern die Person, welche die Handlung ausführt, also den Zeugen. Zwischen der Handlung und dem Handelnden besteht ein tatsächlicher Zusammenhang. Daher handelt es um einen Fall von metonymischem Bedeutungswandel.

lat. PENSARE 'wiegen' > frz. penser 'denken'

Denken bedeutet so etwas wie 'im Geiste wiegen/abwägen'. Man kann die Bedeutung von denken also als wiegen auf abstrakter Ebene umschreiben. Aufgrund dieser Ähnlichkeit zwischen wiegen und denken liegt ein Fall von metaphorischem Bedeutungswandel vor.

lat. GURGA 'Abgrund' > frz. gorge 'Kehle'

Man kann sich eine Kehle durchaus als eine Art Abgrund vorstellen, wenn man bedenkt, dass die Luft- und die Speiseröhre hinter der Zunge senkrecht abfallen. Da also zwischen einem Abgrund und einer Kehle eine gewisse Ähnlichkeit besteht, liegt ein Fall von metaphorischem Bedeutungswandel vor.

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