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B.Sc. Chemie

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Dr. Moana Nolde, Regierungsrätin (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung)

Bitte stellen Sie Ihren Beruf kurz vor!

Ich arbeite in der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) im Fachbereich „Explosivstoffe“, in dem ich für die sicherheitstechnische Bewertung von Explosivstoffen verantwortlich bin. Meine Arbeit ist äußerst vielfältig und abwechslungsreich. Sie reicht von theoretischen Tätigkeiten, wie der Mitarbeit in Gremien zur Rechtsfortentwicklung über gutachterliche Tätigkeiten, z.B. in Bezug auf Anlagensicherheit in der Explosivstoffindustrie über Unfallaufklärung bis zu praktischen Tätigkeiten wie Planung und Durchführung von Erprobungen.

Das bedeutet, dass meine Arbeit zu einem Teil am Schreibtisch erledigt wird und zu einem anderen Teil aus praktischen Tätigkeiten auf unserem Versuchsgelände besteht, sowie in Dienstreisen, bei denen ich zu Firmen der Explosivstoffindustrie in ganz Deutschland fahre, um diese in sicherheitstechnischen Fragen zu beraten. Die Gremientätigkeit findet sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene statt.

Gleichzeitg arbeite ich auch für Forschungszwecke und zum Erfahrungsaustausch mit dem BKA, verschiedenen LKAs, der Bundespolizei, der Bundeswehr und Forschungsinstituten, wie z.B. der Fraunhofergesellschaft zusammen. Eigentlich stehe ich mit allen, die in Deutschland etwas mit Explosivstoffen zu tun haben, in Verbindung.

Da ich verbeamtet bin, habe ich eine 41-Stundenwoche, wobei die Arbeitseinteilung durch die Gleitzeitregelung flexibel gestaltet werden kann.

Warum haben Sie sich seinerzeit für ein Studium der Chemie entschieden?

Ich war schon früh naturwissenschaftlich interessiert. Die Neugierde, Zusammenhänge zu verstehen und auch logisches Denken, waren in meiner Kindheit und in meiner Familie ständiger Begleiter. Hinzu kam, dass ich in der Schule einen sehr guten Chemielehrer hatte. Außerdem war ich davon überzeugt, nach dem Abitur ein Studium zu beginnen. Die Wahl des Chemiestudiums war daher eigentlich nur die Konsequenz.

Wann haben Sie sich für Ihren aktuellen Beruf entschieden und haben sich Ihre Erwartungen daran, ggf. aus Ihrer Zeit als Studierende erfüllt?

Mit der Arbeit der BAM kommt man mindestens einmal im Jahr zu Silvester in Berührung, wenn man Feuerwerkskörper kauft und sich diese einmal genau anschaut, da wir uns auch um die Prüfung von Feuerwerk kümmern. Sicherlich ist für alle Kinder Feuerwerk erst mal etwas Faszinierendes und ich habe lustigerweise auch schon damals kurz gedacht, dass das doch vielleicht ein spannender Arbeitsplatz sein muss, ohne je wirklich das Ziel verfolgt zu haben, hier einmal zu arbeiten.

Am Anfang des Studiums war ich mir nämlich sehr sicher, dass ich unbedingt dem landläufigen Berufsbild eines Chemikers folgen möchte. Ich wollte in der Forschung oder an der Hochschule, am besten im präparativen Bereich arbeiten, also das, was man im Allgemeinen als „Kochen“ bezeichnet. Während des Studiums hat mich dann aber die Verknüpfung zum physikalisch-technischen Bereich der Chemie mehr interessiert, so dass ich meine Diplomarbeit und meine Promotion in der Physikalischen Chemie absolviert habe. Das Stellenangebot der BAM habe ich kurz nach meiner Promotion aus blankem Zufall in der Zeitung gefunden.

Meine jetzige Tätigkeit weicht natürlich sehr von dem Bild ab, das man als Student hat. Meine Erwartung und auch meine Hoffnung im Studium waren, eine Arbeit zu finden, die zugleich interessant und abwechslungsreich ist und diese Erwartung hat sich komplett erfüllt.

Was ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste, das Sie während des Studiums für Ihren aktuellen Beruf gelernt haben?

Durchhaltevermögen, Neugierde aber auch ganz praktische Dinge, wie z.B. Vorträge ausarbeiten und diese dann auch vorzutragen. Ich erinnere mich gerne an ein Vortragsseminar, was von Herrn Prof. Haase und Herrn Prof. Dohrmann geleitet wurde. Beide haben sich die Zeit genommen uns nicht nur fachlich vorzubereiten, sondern haben uns auch bei der Ausarbeitung der Hilfsmittel unterstützt und uns auch rhetorisch geschult. Davon profitiere ich immer noch.

Weiterhin war für mich wichtig, dass ich auch über den Tellerrand hinausschauen konnte, sei es durch die vielfältigen Angebote an der Uni oder auch durch mein Wahlpflichtfach „Astrophysik“, was ich an der TU Berlin belegt habe.

Außerdem habe ich während meiner Diplom- und Doktorarbeit viel über Mess- und Regeltechnik gelernt und selber an meinen Versuchsapparaturen geschraubt, justiert und gelötet. Gerade solche Erfahrungen im praktischen Arbeiten kommen einem später zu Gute.

Welche Zusatzqualifikationen sollte man schon während des Studiums erwerben, die für Ihren jetzigen Beruf nützlich oder essentiell sind?

Da es für meinen Beruf kein wirklich zielgerichtetes Studium gibt, muss man sich das meiste im Beruf selber aneignen und von den Erfahrungen der Kollegen lernen und profitieren. Meine Kollegen sind Physiker, Chemiker, Informatiker, Bergleute, Ingenieure, Verfahrenstechniker usw. Durch ein naturwissenschaftliches Studium plus Promotion hat man aber bewiesen, dass man sich in wissenschaftliche Sachverhalte eindenken und einarbeiten kann.

Fremdsprachen sind wichtig, in erster Linie natürlich Englisch, aber das sollte mittlerweile eine Selbstverständlichkeit sein. Ich denke, man sollte einfach mit offenen Augen studieren und, auch wenn ich den Begriff der Neugierde überstrapaziere: neugierig bleiben.

Gibt es etwas im Studium, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Wir waren ein recht kleiner Fachbereich, überhaupt ging es sehr familiär zu, so dass der Kontakt untereinander und zu den Professoren ein sehr guter war. Natürlich bleiben einem die Praktika in Erinnerung, die langen Abende im Labor. Aber da wir alle im selben Boot saßen, konnte man immer jemanden um Hilfe fragen oder konnte selber helfen und es gab auch immer etwas zu feiern.

Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, nach dem Diplom etwas anderes zu tun, als die Promotion anzuschließen?

Ehrlich gesagt nicht, da es einfach so war, dass ein Chemiker nach dem Diplom promoviert. Außerdem konnte ich das Thema meiner Diplomarbeit in meiner Promotion weiterbehandeln und gründlicher betrachten.

Welchen Rat würden Sie StudienanfängerInnen geben, die später ebenfalls Ihren Beruf ausüben möchten?

Lasst Euch nicht entmutigen! Egal, für welches Studienfach man sich entscheidet, eigentlich gilt überall, dass man an der Materie Spaß haben muss, denn es gibt immer Teilgebiete oder Nebenfächer, die einem nicht so liegen, aber einfach dazugehören. Man muss schon einen gewissen Durchhaltewillen entwickeln und sich auch darüber im Klaren sein, dass es die eigene Entscheidung war, dieses Studium aufzunehmen.

Helft Euch untereinander, gemeinsam geht vieles leichter. Aber der wichtigste Ratschlag ist meiner Meinung nach, dass man das Leben außerhalb des Studiums nicht vergessen darf. Schaut Euch um, was es sonst noch alles gibt, Ihr werdet in dieser Zeit viele interessante Menschen kennenlernen und Berlin hat natürlich viel zu bieten. Ich kann nur empfehlen, am Hochschulsport teilzunehmen. Nirgendwo sonst hat man die Möglichkeit so günstig, verschiedene, auch ungewöhnliche Sportarten zu betreiben oder auszuprobieren und dabei noch andere Leute kennenzulernen.